NeverShoutNever + The Maine im Gruenspan Hamburg (Part 1)

15. März 2011

Ein phantastisches Konzert

Dass Christofer Drew alias NeverShoutNever Kopfbedeckungen in Tierform trägt, kommt öfter mal vor. Generell ist er ja sehr verbunden mit Tieren. Doch beim gestrigen Konzert, ist wohl der Wolf in ihn gefahren. Dabei war doch gar kein Vollmond – naja, aber es schien eh den ganzen Abend so, als befänden sich die Bands im Wettlauf mit der Zeit: Warum also nicht auch die Mondphasen einholen, bestimmen sie doch die Gezeiten.

Fast auf die Sekunde genau um 20 Uhr – also exakt wie eingeplant – tönen die ersten Gitarrenriffs des Abends zu “Change” von NeverShouNever durch das Hamburger Grünsparn. Das Timing soll auch den ganzen Abend so perfekt bleiben, fast als hätten die Betreiber Sorge The Maine müssten bei jeder Verzögerung am Ende Gefahr laufen beim letzten Song vor einer leeren Halle zu spielen. Oder liegt es vielleicht doch am Mond?

Zumindest die erste Überlegung ist nicht ganz unberechtigt. Der Altersdurchschnitt der Fans liegt an diesem Abend mit Sicherheit bei unter 16 und selbst das ist durch einige Eltern nach oben gefälscht.

Zwei gegen den Rest der Welt…

Mit hohem Tempo spielt sich also Christofer Drew mit der Gitarre unterstützt von Hayden Kaiser an den Drums durch die ersten drei Songs. Wie zu erwarten ist Chris barfuß auf der Bühne. Ungewöhnlich jedoch zum einen sein Outfit, er trägt nämlich ganz klassisch Jeans und einen Pullover mit schwarz-weißen Querstreifen, zum anderen sind nur zwei Leute auf der Bühne. Auch bei den weiteren Songs bleibt es bei der trauten Zweisamkeit: der Rest von The Shout, der Band, die Chris eigentlich auf seinen Live-Auftritten begleitet, ist nicht dabei.

Ob es nun an der fehlenden Rückendeckung auf der Bühne oder dem Zeitdruck liegt, ist schwer zu sagen, auf jeden Fall ist Chris an diesem Abend auffällig wortkarg und unbeweglich. Bloß eine kurze Ansage zu “On The Brightside” und schnell geht es weiter. Vielleicht sitz ihm ja auch bloß die Angst der Verwandlung im Nacken, wer weiß das schon: seine Story zum Mond in Amsterdam, Wölfen und Wolfslauten und dann auch noch die Aufforderung ans Publikum es ihm gleichzutun und Wolfsgeheule auszustoßen, lassen jedenfalls darauf schließen. Dass die Menge mitmacht, verdeutlicht, dass der mit Tattoos gepelzte Tierliebhaber trotzdem sein Rudel im Griff hat.

… und der Mond geht bald auf.

Weil die gefühlte Zeitknappheit zum Vollmond immer stärker wird, geht es auch gleich mit einer schnelleren Version von „Coffee And Cigarettes“ weiter. Spätestens bei „Trouble“ geht die Menge richtig mit und einen guten Lacher landet der sonst so ausgeflippte 20-Jährige mit der Ansage, der nächste Song handle von Marihuana, während er sich dabei spielerisch einen „Joint“ anzündet,  kurz daran zieht, ihn dann an den Gitarrenkopf klemmt und lässig „This Shit Getz Old“ anstimmt. Als hätte Chris den einen Zug zum „Warmwerden“ gebraucht, wird er nun lockerer und nimmt sich etwas mehr Zeit. Jetzt reagiert er auf Fans, die ihm etwas auf die Bühne werfen, was ihn bis dahin eher zu verunsichern schien. Am Souveränsten reagiert er zwei Songs später. Ein Mädchen wirft ihm ein eingepacktes Schokobrötchen nach vorne. Selbstsicher fragt der Veganer, ob das etwas zum Essen sei, packt es wie selbstverständlich auf der Bühne aus und probiert. Es scheint ihm zu schmecken. Naja, wirkliche Fans wissen eben über seine Vorlieben bescheid und so kurz vorm Vollmond, ist eine Stärkung sicher gut. Dennoch teilt Chris, ganz nach seinem Vorbild Jesus, die Speise und gibt die andere Hälfte ins Publikum. Es folgt der letzte Song „Big City Dreams“ durch den NeverShoutNever in den USA erst richtig bekannt wurde und bei dem auch in Hamburg die Menge textsicher mitsingen kann. Die Stimmung kocht noch einmal auf.

Doch als wäre die letzte Wolke am Vollmond vorbei gezogen und die Verwandlung zum Werwolf drohe einzusetzen verlässt Christofer Drew alias NeverShouNever beim letzten Ton auch schon die Bühne.

Es fehlt nur das Heulen der Menge zum Abschied…

Es kommen kurz Zugabe-Rufe, doch spätestens als die Musik zum Umbau angeht, erlöschen auch die. – Es ist eben doch alles bis auf die letzte Sekunde getimt.

[Part 2]

Eine Antwort zu „NeverShoutNever + The Maine im Gruenspan Hamburg (Part 1)“


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