Ähnlich phantastisch wie zuvor NeverShoutNever, zeigen nun nach einigen Minuten Umbau The Maine ihr Können im Gruenspan. Die jungen Arizoner werden schon mit lautem Gekreische empfangen. Doch es wird deutlich, nicht alle sind für NSN und The Maine gekommen. Ein Teil des Wolfsrudels ist bereits nach oben gegangen. Es geht zwar phantastisch weiter, aber nicht mehr so niedlich. Jetzt wird’s rockig und härter – keine Verwandlung scheint den weiteren Abend zu drängen, sondern die Flucht in Träume, auf den Mars oder in die Welt des Alkohol- und Drogenkonsums. So beginnen The Maine also mit „My Heroine“ ihr erstes Konzert in Hamburg. Frontmann John O’Callaghan atmet noch einmal tief durch bevor es losgeht und selbst im Song muss er wohl noch etwas Kraft tanken. Ganz anders der kleine quirlige Bassist Garrett Nickelsen. Der scheint jetzt schon Aufputschmittel geschluckt zu haben.

Und weiter geht’s….

In eins geht es weiter mit „The Right Girl“. Der Zeitdruck überschattet eben doch den ganzen Abend. Da hilft es auch nicht, dass aus dem aggressiv weißen Licht nun mystisch grünes wird. Die Stimmung bleibt aufgeladen und temporeich. Textsicher und bewegungsfreudig geht die Menge mit. Ein paar übereifrige versuchen zu moschen, werden von der Security aber auch schnell wieder gebeten dies zu unterlassen. Egal. Das rhythmische Klatschen bei „Listen To Your Heart“ klappt super und hält die Stimmung im Takt.

… etwas Zeit zum Reden muss doch sein…

Ganz anders als zuvor Christofer Drew ist Sänger John gar nicht schweigsam, sondern hat zu jeden Song eine kurze Story zu erzählen oder fordert die Menge zu etwas auf: wie zum Beispiel vor „Into Your Arms“, bei dem alle doch mal dem Nachbarn einen Kuss geben sollen – was ein paar auch machen, andere antworten lieber, in dem sie Herzen mit ihren Händen formen und die Arme Richtung Bühne strecken. Seine Ansagen nutzt er gleich mit zum Biertrinken. Er hat schließlich irische Wurzeln, da gehört das dazu. Aber ganz so viel Zeit bleibt zum Quatschen und Trinken dann doch nicht, weshalb „I Must Be Dreaming“ und „Girls Do What They Want“ ohne Pause durchgespielt werden. Einen Fan kurz auf die Bühne kommen zu lassen, um einige Zeilen zu singen, ist im Zeitplan aber vorgesehen, was Alina aus München wohl freut.

… aber wir sind zum Rocken hier!

Dann werden die Ansagen zwischen „Inside Of You“, „Fuel To The Fire“ und “Whoever She Is“ immer kürzer, nur einmal wird es nochmal phantastischer: Alle sollen sich vorstellen, sie seinen auf dem Mars, passend dazu wird’s dunkel – nur etwas blaues Licht scheint noch – dann geht’s wieder richtig zur Sache und die Gitarren dröhnen. Auf einem Konzert soll ja gerockt werden! Und das nehmen die Jungs aus Phoenix, Arizona definitiv ernst. Neben harten Gitarrenparts, geben sie auch ein Bass- sowie ein Drumsolo zum Besten und wenn dann John als dritter Gitarrist bei Kennedy Brock und Jared Monaco einsteigt, bleibt kein Fuß mehr still: Die Menge springt und tobt. Trotz der guten Stimmung folgt aber schon ein kurzer Dank ans Publikum, das Versprechen wieder zukommen und The Maine spielen ihren letzten Song “We’ll All Be”. Der Zeitdruck ist wieder spürbar: Noch bevor Zugabe-Rufe kommen können, ist das Playback schon zu hören und das Licht geht an. Zu Ende geht ein Konzert ohne jegliche Zugabe. Sei es nun dem knappen Zeitplan geschuldet, wer weiß. Ungewöhnlich ist es jedenfalls!

[Part 1]

Ein phantastisches Konzert

Dass Christofer Drew alias NeverShoutNever Kopfbedeckungen in Tierform trägt, kommt öfter mal vor. Generell ist er ja sehr verbunden mit Tieren. Doch beim gestrigen Konzert, ist wohl der Wolf in ihn gefahren. Dabei war doch gar kein Vollmond – naja, aber es schien eh den ganzen Abend so, als befänden sich die Bands im Wettlauf mit der Zeit: Warum also nicht auch die Mondphasen einholen, bestimmen sie doch die Gezeiten.

Fast auf die Sekunde genau um 20 Uhr – also exakt wie eingeplant – tönen die ersten Gitarrenriffs des Abends zu “Change” von NeverShouNever durch das Hamburger Grünsparn. Das Timing soll auch den ganzen Abend so perfekt bleiben, fast als hätten die Betreiber Sorge The Maine müssten bei jeder Verzögerung am Ende Gefahr laufen beim letzten Song vor einer leeren Halle zu spielen. Oder liegt es vielleicht doch am Mond?

Zumindest die erste Überlegung ist nicht ganz unberechtigt. Der Altersdurchschnitt der Fans liegt an diesem Abend mit Sicherheit bei unter 16 und selbst das ist durch einige Eltern nach oben gefälscht.

Zwei gegen den Rest der Welt…

Mit hohem Tempo spielt sich also Christofer Drew mit der Gitarre unterstützt von Hayden Kaiser an den Drums durch die ersten drei Songs. Wie zu erwarten ist Chris barfuß auf der Bühne. Ungewöhnlich jedoch zum einen sein Outfit, er trägt nämlich ganz klassisch Jeans und einen Pullover mit schwarz-weißen Querstreifen, zum anderen sind nur zwei Leute auf der Bühne. Auch bei den weiteren Songs bleibt es bei der trauten Zweisamkeit: der Rest von The Shout, der Band, die Chris eigentlich auf seinen Live-Auftritten begleitet, ist nicht dabei.

Ob es nun an der fehlenden Rückendeckung auf der Bühne oder dem Zeitdruck liegt, ist schwer zu sagen, auf jeden Fall ist Chris an diesem Abend auffällig wortkarg und unbeweglich. Bloß eine kurze Ansage zu “On The Brightside” und schnell geht es weiter. Vielleicht sitz ihm ja auch bloß die Angst der Verwandlung im Nacken, wer weiß das schon: seine Story zum Mond in Amsterdam, Wölfen und Wolfslauten und dann auch noch die Aufforderung ans Publikum es ihm gleichzutun und Wolfsgeheule auszustoßen, lassen jedenfalls darauf schließen. Dass die Menge mitmacht, verdeutlicht, dass der mit Tattoos gepelzte Tierliebhaber trotzdem sein Rudel im Griff hat.

… und der Mond geht bald auf.

Weil die gefühlte Zeitknappheit zum Vollmond immer stärker wird, geht es auch gleich mit einer schnelleren Version von „Coffee And Cigarettes“ weiter. Spätestens bei „Trouble“ geht die Menge richtig mit und einen guten Lacher landet der sonst so ausgeflippte 20-Jährige mit der Ansage, der nächste Song handle von Marihuana, während er sich dabei spielerisch einen „Joint“ anzündet,  kurz daran zieht, ihn dann an den Gitarrenkopf klemmt und lässig „This Shit Getz Old“ anstimmt. Als hätte Chris den einen Zug zum „Warmwerden“ gebraucht, wird er nun lockerer und nimmt sich etwas mehr Zeit. Jetzt reagiert er auf Fans, die ihm etwas auf die Bühne werfen, was ihn bis dahin eher zu verunsichern schien. Am Souveränsten reagiert er zwei Songs später. Ein Mädchen wirft ihm ein eingepacktes Schokobrötchen nach vorne. Selbstsicher fragt der Veganer, ob das etwas zum Essen sei, packt es wie selbstverständlich auf der Bühne aus und probiert. Es scheint ihm zu schmecken. Naja, wirkliche Fans wissen eben über seine Vorlieben bescheid und so kurz vorm Vollmond, ist eine Stärkung sicher gut. Dennoch teilt Chris, ganz nach seinem Vorbild Jesus, die Speise und gibt die andere Hälfte ins Publikum. Es folgt der letzte Song „Big City Dreams“ durch den NeverShoutNever in den USA erst richtig bekannt wurde und bei dem auch in Hamburg die Menge textsicher mitsingen kann. Die Stimmung kocht noch einmal auf.

Doch als wäre die letzte Wolke am Vollmond vorbei gezogen und die Verwandlung zum Werwolf drohe einzusetzen verlässt Christofer Drew alias NeverShouNever beim letzten Ton auch schon die Bühne.

Es fehlt nur das Heulen der Menge zum Abschied…

Es kommen kurz Zugabe-Rufe, doch spätestens als die Musik zum Umbau angeht, erlöschen auch die. – Es ist eben doch alles bis auf die letzte Sekunde getimt.

[Part 2]

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